Gemeindeleben

Vor der Schulzeit schon fit fürs Leben

Gottesdienst-albertus Kinder sind von Natur aus wissbegierig. Sie wollen lernen und sich weiter entwickeln. Diese Neugierde auf das Leben zu unterstützen und zu fördern, das sehen die Erzieherinnen der Kindertagesstätte St. Albertus als eine ihrer pädagogischen Aufgaben an. Gelernt wird während der gesamten Kindergartenzeit nicht, um fit für die Schule zu sein, sondern um fit für das Leben zu werden.

Dazu gehört, dass in der Kita seit langem regelmäßig in der Tageszeitung geblättert, Fotos betrachtet und gemeinsam gelesen wird. Auf diese Weise beginnen die Kinder, sich für die Welt, in der sie leben, zu interessieren. So entwickelte sich im vergangenen Kindergartenjahr das Projekt zum Thema  „Weltkinderrechte“.

Kinderrechte im Fokus

Weltkinderrechte Zunächst wurden die Kinderrechte, die Entstehung und die Hintergründe kennen gelernt, um sich dann mit einzelnen Rechten intensiver zu beschäftigen. Wichtig war den Erzieherinnen dabei auch, gemeinsam mit den Kindern zu erarbeiten, dass die Rechte nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle anderen gelten. Dies erfordert ein hohes Maß an Verantwortung und Toleranz. Dabei wurde offenkundig, dass mit den Rechten auch Pflichten einhergehen.

Der Einstieg ins Thema wurde mit dem „Recht auf Essen und Trinken“ gewählt. Eine der ersten Aktivitäten war der Besuch des Eine-Welt-Ladens der Pfarrei St. Georg, dem auch die katholische öffentliche Bücherei angegliedert ist. Hier erfuhren die Vorschulkinder vieles über fair gehandelte Produkte und biologische Lebensmittel. Dabei wurde auch über die Pflicht gesprochen, sich mit Lebensmitteln, deren Herkunft und Produktion auseinanderzusetzen. Das Recht „In Frieden zu leben“ schloss sich unmittelbar an. Für die Kinder bedeutet dies ganz konkret in ihrem eigenen Alltag „Keiner hat das Recht, mich zu ,hauen’ oder zu ärgern“. Hier kommen in unserer heutigen Zeit wichtige Dinge wie „an andere denken“, „sich in andere hineinversetzen“ (Empathie) und „eigene Gefühle äußern“ zum Tragen. So entstand in der Kindertagesstätte an der Heidelberger Straße eine Schreibwerkstatt und ein Postamt. Dort konnten die Kinder untereinander, aber auch über die Einrichtung hinaus an Eltern, Freunde und Verwandte Wünsche und Gedanken verbalisieren und diese auch verschicken.

Bildpatenschaften für guten Zweck

Kinderrechte Durch verschiedene Medien erfuhren die Kinder von dem Erdbeben in Haiti. Daraus entwickelte sich die Beschäftigung mit dem Recht „Hilfe zu bekommen, wenn ich krank oder verletzt bin“, das im Mittelpunkt der nächsten Aktivitäten stand. Bei verschiedenen Arztbesuchen lernten die Kinder zunächst ihren eigenen Körper besser kennen. Gleichzeitig stellten sie aber auch Überlegungen an, was Verletzte und Kranke nach der Naturkatastrophe dringend benötigten. Nach Recherchen und Gesprächen mit Mitarbeitern der Hilfsorganisation CBM wurden Fotos von Hilfsgütern gemacht. Diese Bildpatenschaften konnten an einem Stand in der Fußgängerzone gegen eine Spende erworben werden. So kam eine ansehnliche Summe zusammen, die „Bensheim hilft“ übergeben wurde. Mit der Frage, was ein Erbeben ist und wie bzw. warum es entsteht, setzten sich die Kinder bei einem Besuch des Naturschutzzentrums auseinander.

Fußballtunier „Alle Menschen sind gleich, egal welche Hautfarbe und Nationalität sie haben“ – dies ist ein weiteres Recht und eine wichtige Botschaft, die auch bei der Fußball-WM in Südafrika eine wichtige Rolle gespielt hat. Ganz aktuell wurde in dieser Zeit alles rund um Südafrika intensiv in der Zeitung verfolgt und eingehend über das Thema Toleranz gesprochen. Auch bei einem gemeinsamen Fußballturnier der Bensheimer Kindertagesstätten, an dem auch die Albertus-Kinder teilgenommen haben, standen Toleranz und das „Recht auf Freizeit und Spiel“ im Vordergrund.

Bildung keinem verwehren

Selbstverständlich spielt für die Großen im letzten Jahr vor dem Schulbeginn das „Recht zu lernen“ eine besondere Rolle. Bei vielen gemeinsamen Aktivitäten in Kooperation mit der Hemsbergschule wurde der bevorstehende Übergang vorbereitet und die Vorfreude, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen, geweckt. Dieses Recht haben leider immer noch nicht alle Kinder auf der Welt und schließt deshalb für uns die Pflicht ein, sich zu informieren, sich für die Welt zu interessieren und zu engagieren.

Abschied mit lachendem und weinendem Auge

Zu den einzelnen Kinderrechten entstanden von den Kindern selbst gemalte Bilder, die bei der Internationalen Woche „Augen auf für eine Welt“ in einer Ausstellung präsentiert wurden. Darüber hinaus konnten große und kleine Besucher anhand eines Memory die Weltkinderrechte kennen lernen.

Abschiedsfest Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Georg und einer anschließenden Feier in der Kindertagesstätte ging ein spannendes und ereignisreiches Kindergartenjahr zu Ende. Symbolisch für die Kinder, die nun einen neuen Lebensabschnitt beginnen und weiter ihren Weg getreu dem Motto „Fit fürs Leben“ gehen, ließ man mit einem weinenden und einem lachenden Auge bunte Ballons zum Abschluss steigen.