Thomas Groß: Erinnerungen

Zum Tode von Pfarrer Thomas Groß

Unser Pfarrer, Thomas Groß, Motor und geistiger Mittelpunkt
unserer Gemeinde, ist tot. Beim Joggen, bei dem er Ballast abwerfen, neue Ideen
entwickeln und Kraft sammeln konnte, hat Gott ihn zu sich gerufen. Vieles hat
er angestoßen, vieles wollte er noch auf den Weg bringen – jetzt müssen wir als
Gemeinde versuchen,  mit der großen
Lücke, die sein Tod gerissen hat, fertig zu werden und sie zu schließen – in
seinem Sinne, wie es ihm vorschwebte.

Vor acht Jahren wurde St. Georg mit den Filialgemeinden St.
Elisabeth in Schönberg und St. Andreas in Reichenbach sein Wirkungskreis. Er
hatte eine andere, visionäre Sicht von Gemeinde, anders als die Menschen in St.
Georg es bisher gewohnt waren. Legendär wurde seine gleich nach Dienstantritt
initiierte Gemeindekonferenz in der weiten Kirchenhalle von St. Georg, in der
es ihm gelungen ist, die Gemeinde über Zukunft nachdenken und beraten zu
lassen. Eine Reihe von Initiativen und Arbeitskreisen sind aus dieser
Zusammenkunft entstanden und bis heute aktiv als Zeichen lebendiger
Kirchengemeinde. Im Jahre 2007 gelang ihm die Zusammenführung der
Filialgemeinden St. Elisabeth und St. Andreas mit der Gemeinde St. Georg. Mit
viel Einfühlungsvermögen hat er die Menschen der drei Gemeinden bewegt, sich
als eine Gemeinde zu fühlen und zu leben.

Den Menschen den Glauben an den dreifaltigen Gott und die
zentrale Bedeutung der Eucharistie zu vermitteln, war sein großes Anliegen. In
seinen Gottesdiensten und Predigten ist es ihm gelungen, diesen Glauben auf die
ihm eigene, überzeugende und mitreißende Weise zu verdeutlichen. Mit seinen
Predigten erreichte er nicht nur die sonntägliche Kirchengemeinde, sondern in
seinen Gottesdiensten „neuer und anderer Art“ auch Menschen, die der Kirche
eher kritisch oder gar ablehnend gegenüberstehen. Seine Berufung war, allen
Menschen die Botschaft des Evangeliums nahe zu bringen – das hat er mit hohem
Engagement und unermüdlicher Begeisterung getan.

Im Jahr 2006 zum Dekan des Dekanats Bergstraße Mitte
gewählt, konnte er seine  Visionen
auch auf Dekanatsebene einbringen und umsetzen. Er war ein Priester, der auch
dann noch weitersehen und weitergehen konnte, wenn andere ihren Vorrat an
Hoffnung schon längst verbraucht hatten. Auf sein Betreiben wurde die ökumenische
Einrichtung der „Tafel Bensheim“ ins Leben gerufen, in der mittlerweile über
150 freiwillige Helfer engagiert mitarbeiten. Er pflegte einen offenen  und freundschaftlichen Dialog mit den
protestantischen Glaubensbrüdern. Sein herzlicher Umgang mit seiner
evangelischen Amtskollegin im Dekansamt ist durch viele Gottesdienste,
Aktivitäten und Aktionen belegt.

Er engagierte sich bei Familien- und Jugendfreizeiten oder
rief diese ins Leben. Mit „Kanu, Kick und Kloster“ verstand er die Jugend auf
besondere Weise an Gott und den Glauben an ihn in unserer technikbestimmten
Welt heranzuführen. Seine Pilgerreisen nach Jerusalem waren ein weiterer Weg
der von ihm praktizierten Glaubensvermittlung. Nirgendwo sonst konnte Thomas
Groß die Bibel so hautnah und mit so viel Überzeugungskraft öffnen und
erschließen wie im Hl. Land. Diese Pilgerreisen veränderten und vertieften
Einsichten und Glauben der Teilnehmer auf ganz besondere Weise. Für Thomas Groß
waren dies Reisen, aus denen er neue Kraft und Energie für die Seelsorge in
seiner Gemeinde geschöpft hat.

Das Hl.-Geist-Hospital war sein Sorgenkind. Als Vorsitzender
des Stiftungsrates und als Vorsitzender des Aufsichtsrates des KKSH hat er
wesentlich Verantwortung für die Geschicke dieser Einrichtungen getragen. Das Mitsteuern
des Hospitals in schweren Zeiten hat mit vielen Sitzungen, Beratungen und
tiefgreifenden Entscheidungen seine Kräfte hoch beansprucht.

Unnötigen Ballast abwerfen und sich auf das Wesentliche
besinnen waren Maximen seines Denkens und Handelns. Dies bedeutete auch, den
nicht immer einfachen, manchmal schmerzlichen Abschied von gewohnten
Strukturen. Dies erwartete er von seiner Gemeinde, dies war für ihn eine der
grundlegenden Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Gemeinde. Er war ein
beeindruckender Visionär, der es verstanden hat, Menschen mitzunehmen und für
die Sache Jesu zu begeistern.

Wir sind unendlich
traurig, unseren geschätzten Pfarrer Thomas Groß, so früh verloren zu haben.
Wir beten, dass Gott, an den er so fest geglaubt, für den er gelebt und dessen
Botschaft er verkündet hat, ihn in seine himmlische Herrlichkeit aufgenommen
hat. Wir beten auch um Kraft und Trost für seine Eltern, die mit diesem
tragischen und schmerzlichen Verlust ihres einzigen Sohnes leben müssen.

Für die Pfarrgemeinde

Eva- Maria Hetzler