Pfarrei

Kürzungspläne Heilig-Geist-Hospital: Solidarität mit den Beschäftigten

Die Sorge um kranke und alte Menschen sowie die Mitverantwortung einer guten medizinischen und pflegerischen Versorgung in der Region zählen zum urchristlichen und caritativen Anliegen der Kirchen. Diese umfasst das (seelsorgerliche) Bemühen um jeden einzelnen, besonders der Schwerkranken, Alten und Schwachen, wie auch die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Auftrags durch die Übernahme von Trägerschaft.

Seit jeher weiß sich die katholische Kirche in ihren unterschiedlichen Funktionen den regionalen Krankenhäusern in der Bergstraße, insbesondere dem Heilig-Geist-Hospital in Bensheim und dem Luisenkrankenhaus in Lindenfels, wie auch dem St. Marienkrankenhaus in Lampertheim verbunden und verpflichtet. Nicht wenige Investitionen und Versuche wurden und werden durch die Heilig-Geist-Stiftung bis heute getätigt, um sich an der Verantwortung für eine gute Betreuung kranker Menschen in der Region der Menschen zu beteiligen.

Heilig Geist Hospital Bensheim

Heilig Geist Hospital Bensheim

Mit größter Besorgnis verfolgen wir die gravierenden Veränderungen im Gesundheitssystem und die Auswirkungen der Krankenhausreform, die auch in unserer Region massiv durchgreifen und schmerzlich spürbar werden.

Die jüngsten Entscheidungen der Universitätsmedizin Mannheim sind Ausdruck eines Gesundheitswesens, das sich an erster Stelle der Ökonomisierung nach marktwirtschaftlichen Regeln verpflichtet, ohne auf die Belange der Region und noch weniger auf die Situation und Bedingungen der Beschäftigten in der Pflege einzugehen.

Sowohl der Umfang der geplanten Kürzungs- und Schließungsabsichten im Heilig-Geist-Hospitals Bensheim und des Luisenkrankenhaus in Lindenfels als auch die Art und Weise des Umgangs seitens der Universitätsmedizin Mannheim haben bei uns nicht nur Betroffenheit, sondern Empörung und Irritation hervorgerufen.

Weder die Heilig-Geist-Stiftung als Gesellschafter noch kommunale oder kirchliche Einrichtungen in der Region wurden vorinformiert oder gar mit in die Entscheidungsfindung einbezogen. Die unzureichende bzw. fehlende Kommunikation ist beschämend und inakzeptabel vor dem Hintergrund der Vorgeschichte und dem Ringen um gute Lösungen bei der Frage nach der pflegerischen Versorgung in der (ländlichen) Region. Statt gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen und auch Defizite zu beheben, werden knallharte wirtschaftliche Entscheidungen kundgetan und durchgezogen.

Wir fordern die Verantwortlichen der Universitätsmedizin Mannheim auf, sich im weiteren Fortgang der Verhandlungen dem konstruktiven Gespräch mit den kommunalen politischen Vertretern, vor allem mit den Beschäftigten und dem Gesellschafter der Kliniken, aber auch mit den Kirchen und Initiativen und mit allen, die sich um eine gute medizinisch pflegerische Versorgung in der Region bemühen, zu stellen. Unsere uneingeschränkte Solidarität in dieser schwierigen Zeit gilt zuerst und vor allem den Beschäftigten und den Belegschaften der beiden Kliniken: Den Pflegekräften, Ärzten und dem Betreuungspersonal sowie allen Frauen und Männern, die mit Verwaltung, Reinigung und Logistik den Rahmen für die Pflege schaffen.

Ins Bewusstsein rufen wollen wir an dieser Stelle auch mit Dringlichkeit, dass die Beschäftigten in pflegenden Berufen aufgrund der Arbeitsbedingungen und -belastungen ohnehin längst über ihre Kräfte hinaus strapaziert werden. Die akute Krisensituation kommt da noch verschärfend hinzu. Die zugespitzte Situation ist für die Belegschaften eine Zumutung. Daher ist uns wichtig zu betonen:
Pflege und Versorgung kranker Menschen sind keine Dienstleistung wie jede andere, sie ist Dienst am Menschen, der den Beschäftigten unter hohem Druck Sensibilität und höchste Professionalität abfordert. All dies verlangt einen besseren und würdigeren Umgang mit den Belegschaften und den Arbeitnehmervertretern sowie eine verantwortliche Zukunftsplanung unter Einbezug der Beteiligten. Besonders die Art und Weise, wie bislang agiert wurde und wird, ist ein Schlag ins Gesicht aller im Pflegesektor Tätigen und ist Spiegel unserer Gesellschaft, die die ökonomischen Zwänge über den Faktor Mensch und Wertschätzung von Pflege und Arbeit stellt.

Neben den ernsthaften Anfragen an das Gesundheitssystem wissen wir um die große Not, die Angst und die enorme Belastung, die die unternehmerischen Entscheidungen über die Krankenhäuser auch für jeden und jede Einzelne mit sich bringt. Es stehen nicht wenige Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wenn es tatsächlich zur geplanten Umsetzung der Kürzungen kommt, bedeutet dies existentielle Sorge und unsichere Zukunft und vor allem emotionaler Verlust der vielen, die seit Jahrzehnten in den Häusern tätig sind und mit hoher Identifikation ihre Dienste tun. Verlierer der gegenwärtigen Kämpfe sind schon jetzt die Menschen: Die Patienten, die Bevölkerung und vor allem die Beschäftigten. Als Kirche in der Region und als Betriebsseelsorge werden wir den weiteren Verlauf der Verhandlung aufmerksam und kritisch verfolgen. Den Belegschaften gilt unsere Unterstützung.

Stellungnahme der katholischen Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorge Südhessen und der katholischen Dekanate Bergstraße-Mitte, -Ost und West zu den Schließungs- und Kürzungsplänen von Einrichtungen des Südhessischen Klinikverbundes durch die Universitätsmedizin Mannheim.

Katholische Dekanate Bergstraße:
Dekan Thomas Meurer, Dekanat Bergstraße-Mitte
Dekan Hans-Georg Geilersdörfer, Dekanat Bergstraße-Ost
Dekan Dr. Ronald A. Givens, Dekanat Bergstraße-West

Katholische Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Südhessen:
Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin