Kirchenmusik

Singet eure Hoffnung

Sängerinnen und Sänger aus der Jugendkantorei und dem jungen Vokalensemble der katholischen Pfarrei St. Georg Bensheim haben sich über Silvester nach Rom aufgemacht, um am 40. Internationalen Kongress der Pueri Cantores teilzunehmen. Das Motto des Jubiläumskongresses lautete Cantate spem vestram – Singet eure Hoffnung. Insgesamt kamen fast 6.000 Kinder und Jugendliche aus aller Welt zusammen, 140 Chöre aus 17 Nationen, darunter auch Süd-Korea, Mexiko und viele Chöre aus den USA. Die Anzahl und Vielfalt der Nationen und Sprachen half mit, das zentrale Anliegen der Pueri Cantores zu verfolgen, sich kennenzulernen und für den Frieden zu beten. Hauptveranstaltungsort war der Vatikan. Dort, in der Aula Paul VI., fand die Eröffnungsveranstaltung statt, die Privataudienz mit dem Papst samt Weihnachtskonzert und die Generalprobe für den Abschlussgottesdienst, der am 1. Januar um 10 Uhr zusammen im Petersdom gefeiert wurde.

Der Verständigung der Chöre dienten vor allem die Veranstaltungen im kleineren Rahmen: Zuallererst die Nationalgottesdienste, die am ersten Festivaltag in den jeweiligen Sprachen in vielen Kirchen Roms abgehalten wurden. Die über 600 deutschen Sängerinnen und Sänger kamen in der wunderschönen „Kirche der 12 Apostel“ zusammen, die u.a. deshalb bedeutend ist, weil in ihr die Apostel Philippus und Jakobus begraben sind. Die herrliche Akustik, die souveräne musikalische Führung durch den Präsidenten des deutschen Verbandes Matthias Balzer und die feierliche und jugendnahe Zelebration von Marius Linnenborn, dem geistlichen Beirat des deutschen Nationalverbandes, ließen ein erstes, intensives Pueri-Feeling aufkommen. Gesungen wurden neben internationalen Weihnachtsliedern wie „Hark, the Herald’s Angels sing“ die ursprünglich auch für den Abschlussgottesdienst vorgesehene Messe aus der Feder des ehemaligen Leiters der Sixtinischen Kapelle, Domenico Bartolucci, der 2013 verstorben ist. Hier entfalteten sich die Qualitäten der deutschen Sänger zu einem intensiven Klangserlebnis, das allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Bensheimer hatten außerdem in zwei „Konzerten der Hoffnung“ in bedeutenden Kirchen Roms die Gelegenheit, anderen Chören zuzuhören. Beeindruckend waren die Leistungen der polnischen, französischen, schwedischen und japanischen Chöre, die den Sängern das ganze Feld der Kirchenmusik darboten: vom mitreißend gesungenen französischen Weihnachtslied bis hin zur modernen japanischen Kirchenmusik, die vor allem durch ihre atemberaubende Komplexität beeindruckte.

40. Internationalen Kongress Pueri Cantores Petersdom I

Das Besichtigungsprogramm kam auch nicht zu kurz: vom Kolosseum über das Forum Romanum, die schönsten Plätze Roms, das Pantheon über die Engelsburg bis zum Petersdom wurden etliche Kilometer zu Fuß zurückgelegt und mit Bildern des alten und neuen Rom gefüllt. Am letzten Tag vervollständigte die Bensheimer Gruppe ihre Romerfahrungen durch das Singen von Weihnachtsliedern auf der Piazza Navona und vor dem Pantheon, was auf spontane Begeisterung der Römer stieß. Der rasch ersungene Erlös wurde direkt in römisches Eis umgesetzt.

40. Internationalen Kongress Pueri Cantores Pantheon

Höhepunkt der Reise war die Privataudienz mit Papst Franziskus, dem die Jugendlichen zum Anfassen nahe kamen. Begeisterte Ovationen füllten die riesige Halle, als er durch den Mittelgang der Aula schritt und 40 Minuten lang Fragen der Kinder und Jugendlichen beantwortete. Der Papst nutzte die Gelegenheit und erzählte den Jugendlichen persönliche Erlebnisse: z.B. dass er als Kind gern Metzger geworden wäre, dass er singe „wie ein Esel“ und das deshalb nicht öffentlich tue. Er wich aber auch ernsten Fragen nicht aus, zum Beispiel wie die Welt der Zukunft seiner Meinung nach aussehen werde. Darauf der Papst: das Gute und das Böse werden immer weiter miteinander kämpfen und es liegt auch an uns, immer wieder für das Gute zu streiten. Dabei helfe auch das Singen, denn schon der Kirchenlehrer Augustinus sagte: „Canta e cammina!“ (Singe und gehe!). Diesen Satz ließ der Papst die Kinder mehrfach wiederholen, genauso wie „Solo Dio e buono“ (Gott allein ist gut). Diese frei gehaltene Ansprache beeindruckte durch ihre Authentizität und Unmittelbarkeit, die leider im abschließenden Neujahrsgottesdienst nicht mehr aufkam: zu sehr schien der Papst hier durch protokollarische Gegebenheiten eingeengt.

40. Internationalen Kongress Pueri Cantores Papst

Der Silvesterabend wurde in einem echten römischen Restaurant gefeiert, bevor die Bensheim Sängergruppe sich auf den Gianicolo begab, eine besonders bei den Römern beliebte Aussichtsterrasse mit Blick über die ganze Stadt, die ein beeindruckendes Feuerwerk bot.

Das frühe Aufstehen am Neujahrsmorgen war eine besondere Herausforderung: Die Sicherheitsschleusen am Petersplatz öffneten schon um sieben Uhr, und zum Erstaunen der Bensheimer hatten über 4.000 Sängerinnen und Sänger schon vor sieben Uhr den Weg in die Schlange gefunden. Die Bensheimer fanden auch um acht Uhr noch einen guten Platz im Petersdom und feierten die große Papstmesse singend mit. Ein abschließender Rundgang zu den Lieblingsplätzen ließ den Neujahrstag ausklingen. Die Reise wird allen noch lange in Erinnerung bleiben!